Ausgangslage & Ziel
Der Obstbaum als Hindernis
Klassische Hochstamm-Systeme stammen häufig aus einer Zeit, als eine Mechanisierung nach heutigen Standards nicht vorhanden war. Entsprechend richteten sich Planungen historisch viel stärker an den Bedürfnissen der Bäume resp. Ertragsoptimierung (Abstände, Pflanzraster etc.) aus, als an den Bedürfnissen der Bearbeitung. Diese erfolgte primär manuell, wodurch vergleichsweise eng gepflanzt werden konnte.
Wenn dennoch größere Abstände gewählt wurden, hatte dies häufig mit der Unternutzung (Wiese, Weide, Acker, Garten etc.) zu tun.
Neben den Pflanzabständen müssen aus der Sicht einer maschinellen Bewirtschaftung auch die Stammhöhen als problematisch betrachtet werden. Diese lagen historisch häufig zwischen 1,20 bis 1,60 m. Mit einem extensiven Schnitt gepaart führte dies oft dazu, dass die Leitäste mit Ertragsbeginn rasch absanken und ein Arbeiten unterhalb der Bäume sehr schwierig machten. Dies störte bei händischer Mahd resp. bei Beweidung (z. B. mit Schafen) nicht sehr. Doch mit dem Aufkommen von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen ab den 1930er Jahren waren die sehr niedrig ansetzenden Kronen meist ein Hindernis.
Die Reaktion darauf war, entweder die Bäume zu roden, damit die Maschinen freie Fahrt bekamen, oder tief ansitzende (starke) Äste zu entfernen, was dazu führte, dass es an den Stämmen sehr große Wunden gab bzw. gibt. An diesen Verletzungen laboriert ein Gros der heutigen alten Hochstamm-Bäume. Häufig sind die Bäume bereits abgestorben, da die Wunden Eintrittspforten für, v. a. pilzliche Schaderreger sind.
Ziel: Produktion mit System
Im privaten Hausgarten und bei Pflanzung einiger weniger Bäume darf bei der Bepflanzung durchaus Kreativität walten. Doch spätestens, wenn es darum geht mit Hochstamm-Obstbäumen wirtschaftliche Erlöse, sprich: Geld, zu erwirtschaften, bedarf es eines geordneten Systems.
In einem solchen müssen die wichtigsten Parameter der Planung, Etablierung und Bewirtschaftung so klar definiert sein, dass sie von Fachleuten mit einer ausreichenden Grundbildung im Obstbau jederzeit und an jedem Ort in der Praxis angewendet werden können.
Primäres Ziel ist nicht eine Vereinheitlichung um ihrer selbst willen, sondern ein verlässlicher Praxis-Leitfaden für die Umsetzung von HPS
Das Erfordernis von Planungs-Standards für HPS
Um ein funktionierende Hochstamm-Produktions-System landesweit oder länderübergreifend zu etablieren, braucht es grundlegende Standards:
Diese sollen eine in der Praxis gut brauchbare Anleitung sein, die hilft fachliche, rechtliche und technische Standards in der Bewirtschaftung einzuhalten. Zudem ist es in der Lehre und Kommunikation erforderlich auf einheitliche Grundlagen zurückgreifen zu können.
Bei der Umsetzung von mehreren Hundert HPS nach dem System SUPERHOCHSTAMM zeigte sich, dass Pflanzpläne & Sortenlisten übersichtlich, einfach verständlich und praxisnah sein müssen. Zudem müssen diese international anwendbar und an jeweilige nationale oder föderale Bedingungen adaptierbar sein. Dies betrifft sowohl gesetzliche Anforderungen, als auch Förderkulissen u. a. mehr.
Aspekte die für Bepflanzungs- und Bewirtschaftungspläne berücksichtigt werden müssen:
- Standörtliche Gegebenheiten
- Obstbauliche Aspekte
- Bewirtschaftung & Technik
- Sicherheitsaspekte
- Rechtliche Anforderungen
- Förderaspekte
- Kulturelle Eigenheiten
- Biodiversität
- Flexibilität & Entwicklung
Vorteile und Grenzen einer Standardisierung von HPS-Planzeichen
- Standards sind Normen zur eindeutigen Beschreibung von Inhalten und Abläufen etc., die entweder eine eigene Verbindlichkeit haben oder sich an gesetzlichen Grundlagen orientieren. Ihre Compliance mit dem aktuellen Stand der Technik muss regelmäßig überprüft werden. DIN, VDI, BBN, DLR oder FLL empfehlen eine Überprüfung von Standards alle drei bis fünf Jahre.
- Als ein Vorteil von standardisierten Planzeichen kann die Lesbarkeit von HPS-Plänen, auch über (Bundes-)Ländergrenzen hinweg, gesehen werden. Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit führen zu höherer Akzeptanz und Transparenz der Bepflanzungspläne.
- Planzeichenkataloge sind Bestandteil der guten fachlichen Planungspraxis und zugleich Grundlage für die Bewirtschaftung sowie für Forschung und Entwicklung (sowohl im Obstbau, als auch für das Thema Biodiversität). Dazu sind sie wertvolle Basis für die Kommunikation in Landwirtschaft und Naturschutz aber auch gegenüber Behörden und Politik.
- Einheitliche Mindeststandards gewährleisten zudem eine Vereinheitlichung in fachlicher und auch terminologischer Hinsicht. Dies reduziert resp. vermeidet Interpretationsspielraum und Missverständnisse in Planunterlagen.
- Verbindliche Standards unterstützen auch die Entwicklung von multifunktionalen, interoperablen Softwarelösungen für einen zeitgemäße und effiziente technische Umsetzung (GIS, KI etc.).
- In anderen Bereichen, wie etwa der Raum- oder Landschaftsplanung ist die Verwendung von Standards längst die Norm.
Grundlagen der Planung von Hochstamm-Produktions-Systemen
Für die Planung von Hochstamm-Produktions-Systemen braucht es Expert*innen mit viel Erfahrung (Planungsbüro mit einschlägiger Kompetenz in Pomologie & Hochstamm-Obstbau). Ausgehend von den Wünschen der Bewirtschafter*innen gilt es eine an den jeweiligen Standort angepasste Lösung zu finden:
Definition Standort
Der Obstbaum-Standort ist die Gesamtheit aller abiotischen (Klima, Boden, Licht etc.) und biotischen Umweltfaktoren (Konkurrenz, Tiere, Pilze etc.), die an einem bestimmten Ort auf eine Pflanze einwirken.
Der Standort und sein Potenzial für die Zukunft
Der Standort für eine Obstbaufläche ist häufig fix und unverrückbar (z. B. Hausgarten) in anderen Fällen hingegen frei wählbar (z. B. Flächenankauf oder freie Flächenauswahl innerhalb eines landwirtschaftlichen Betriebes). Generell sind ungeeignete Flächen (z. B. staunass, zu trocken, stark beschattet etc.) auszuschließen.
Ist die Flächensuche erst einmal abgeschlossen und der Standort fixiert, so können folgende Standortsfaktoren entscheidende Kriterien bei der Planung von Hochstamm-Produktions-Systemen sein:
1. Lage
Die geografische Lage einer Fläche ist entscheidend. Diese hat Einfluss auf die meisten der nachfolgend beschriebenen Standortsfaktoren, die auf einem aktuellen Orthofoto in einem Geografischen Informationssystem (z. B. QGIS) dargestellt werden:
HINWEIS
- Entscheidend ist zudem die Lage zum Wohnort der Bewirtschafter. Eine Obstfläche in unmittelbarer Wohnhaus- / Wohnungsnähe kann ideal in den Tagesablauf integriert werden. Obstbäume bedürfen der ständigen Beobachtung um Veränderungen rasch wahr zu nehmen. Die Fläche muss auch zur Bewirtschaftung (Ernte und Verarbeitung) gut erreichbar sein.
Ist es hingegen erforderlich erst einmal ins Auto oder auf das Fahrrad zu steigen, um die 5-10 km entfernt liegende Fläche zu besuchen, so hat dies unweigerlich Auswirkung auf deren Pflegezustand u. a. m. - Zentral ist es, für Kinder Orte positiv besetzter Kindheitserinnerungen zu schaffen. Einfach rausgehen und im Paradies überall runter naschen zu können, trägt später mehr zur Erhaltung von Obstbeständen bei, als nur die Bekanntschaft mit dem Obst aus dem Supermarkt.
2. Abgrenzung
In der Planung eines Hochstamm-Produktions-Systems sind die Verfügbarkeit und klare Abgrenzung der Fläche zentral. Entsprechend braucht es einen aktuellen Kataster sowie die Klärung allfälliger Grenzfragen (inkl. gesetzlich definierte Pflanzabstände etc.). Die Freude an einem Obstbestand kann durch Schwierigkeiten mit einem Nachbarn oder der Behörde erheblich getrübt werden.
Zudem ist zu gewährleisten, dass der/die Bewirtschafterin die langfristige Verfügung über die Fläche sicherstellen kann. Dazu sind Besitz-, Eigentums- oder Pachtverhältnisse (ggfs. vertraglich) zu klären.
3. Höhenlage
Mit der lotrechten Höhe über dem Meeresspiegel sind auch klimatische und obstbauliche Unterschiede verbunden. Dies kann zum Ausschluss mancher Obstarten in ganzen Landstrichen führen oder auch zur paradoxen Situation, dass Marillen in Österreich v. a. in wärmebegünstigten tiefen Lagen (z. B. Wachau oder Nordburgenland; hohe Spätfrostgefährdung) und andererseits in Hochlagen (Tirol, geringe Spätfrostgefährdung) sehr gut gedeihen.
4. Geomorphologie, Relief
Der Untergrund und die Oberflächenbeschaffenheit (Gelände) haben unmittelbare Auswirkung auf Faktoren wie Bodengüte und Bewirtschaftung (Befahrbarkeit etc.), Wasserabfluss u. a. m. Geomorphologische Faktoren sind im Alpenraum deutlich relevanter als etwa im Alpenvorland, wobei auch hier Phänomene, wie etwa Rutschhänge auftreten.
5. Hangneigung
Der Grad der Inklination ist obstbaulich von absoluter Bedeutung. Die Steilheit von Flächen wirkt sich unmittelbar auf deren Bewirtschaftung aber auch auf die auftreffenden und wirksamen Wärmemengen etc. aus. Landwirt*innen sind mittelfristig gut beraten, wertvolle ebene Flächen für SUPERHOCHSTAMM-Pflanzungen zu verwenden.
6. Exposition
Gepaart mit der Hangneigung spielt die Exposition eine entscheidende Rolle bei der möglichen Bewirtschaftung einer Fläche. Südlagen können für manche Obstarten (v. a. in Höhenlagen) einen großen Vorteil bringen, während Nordlagen teils überhaupt nicht obstbaulich geeignet sind. In Zeiten von Klimaveränderungen wandert in manchen Regionen jedoch sogar der Weinbau auf Nordlagen.
7. Geologie & Boden
Der geologische Untergrund bestimmt u. a. die Verwitterung, den pH-Wert, die Bodenbonität und damit die Nährstoffversorgung, Wasserhaltekapazität u. a. m. Während der geologische Untergrund kaum beeinflussbar ist, kann der Boden durch eine schonende mechanische Bearbeitung und ökologisch verträgliche Düngung verbessert werden. Dies ist v. a. bei einer agroforstlichen Mehrfachnutzung (silvoarable Systeme) von Bedeutung. Basis für die Bewirtschaftung sind fundierte Bodenuntersuchungen.
In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Boden und der Bodenfeuchte stehen allfällige Drainagen auf der Planungsfläche, weshalb es sinnvoll ist den (digitalen) Meliorationskataster zu überprüfen. Drainage können mittelfristig weniger wirksam werden und es kommt zu einer sukzessiven Vernässung der Fläche. Mitunter besteht sogar eine vertragliche Verpflichtung zur Erneuerung von Drainagen, was im Falle einer Bepflanzung zu Problemen führen kann.
8. Klima
Generell sind für alle Pflanzen die Winterhärtezonen (Temperatur in der kältesten Jahreszeit), unter Berücksichtigung mesoklimatischer Effekte (Wulff & Bouillon 2024) heranzuziehen.
Hinsichtlich des Klimas sind v. a. folgende Faktoren relevant:
Niederschlag
Eine kontinuierliche und ausreichende Wasserversorgung gehört zu den Hauptfaktoren für einen erfolgreichen Obstbau.
Fehlender Niederschlag (Trockenheit) lässt Früchte abfallen, zu viel Feuchtigkeit begünstigt Pilzkrankheiten. Staunasse Lagen sollen gemieden werden. Hagel, Eisregen und große Schneemengen können Obstbestände stark schädigen oder ganz vernichten.
GIS-Karten, die die Fließpfade von Hangwasser und die erwartbaren Wassermengen darstellen, sind eine wertvolle Planungshilfe.
Temperatur & Insolation
Kaltluftseen begünstigen Spätfröste. Zu hohe Temperaturen fördern Sonnenbrand auf Früchten und Krankheiten, wie die Ausbreitung des Schwarzen Rindenbrandes. Temperatur- und Wärmemengen über den gesamten Jahreslauf sind entscheidend. Verbunden mit der Insolation und dem Neigungswinkel der Sonne zur Erdoberfläche ist auch der Schattenlauf (täglich; im Jahreslauf) umliegender Strukturen.
Die verfügbare Lichtmenge ist entscheidend für die Photosynthese-Leistung und damit für die Produktivität am jeweiligen Standort.
Windverhältnisse
Wind führt zum raschen Auftrocknen des Laubes nach Nebel oder Niederschlag. Dies bremst das Pilzwachstum (z. B. Schrotschusskrankheit) und eine Beeinträchtigung der Fruchtqualität. Zu starker Wind oder Stürme führen zu ungewolltem Fruchtfall oder Umfallen der Bäume.
9. Vegetation & Tierwelt
Der Bewuchs am Standort ist insofern von Bedeutung, als er Rückschlüsse über die potentiell natürliche Vegetation (z. B. Kalkzeiger, Feuchtezeiger etc.), die Bodenverhältnisse (Staunässe u. a. m.) die Bewirtschaftung (Verdichtungs-, Weide oder Störungszeiger wie Neophyten) und den naturschutzfachlichen Wert (geschützte oder gefährdete Arten) zulässt. Die Tierwelt steht in engem Zusammenhang mit der Vegetation. Generell soll in HPS eine hohe Biodiversität bei guter Bewirtschaftbarkeit angestrebt werden.
10. Biodiversität & Schutzgüter
Hochstamm-Produktions-Systeme dürfen nicht auf Schutzflächen (FFH-Lebensräume, Naturschutzgebiete etc.) etabliert werden. Moorflächen oder Halbtrockenrasen sind ohnedies aus obstbaulicher Sicht ungeeignet. Die Daten von landesweiten Biotop-Kartierungen sind als Planungsgrundlage heranzuziehen.
11. Historische Nutzung
Besondere Bedeutung kommt auch der historischen Nutzung von Obstflächen zu. Diese kann wertvolle Hinweise zur Eignung der Fläche, aber auch von Obstarten und -sorten geben.
Historische Bepflanzungspläne können uns wertvolle Hinweise zu den vorkommenden bzw. geeigneten Obstsorten liefern.
12. Umgebende Strukturen
Sogenannte ALS-Bilder (airborne laser scanning) geben Auskunft über die Höhe angrenzender Strukturen. Kombiniert mit dem jeweiligen Sonnenverlauf (Tageslänge & Inklination) können Aussagen über die Sonnenscheindauer, Dauer der Schneebedeckung u. a. m. abgeleitet werden. Zudem gilt es auch den Schattenwurf der Bäume auf den eigenen Bestand sowie auf angrenzende Objekte (Haus / Garten Nachbar, PV etc.) zu bedenken.
13. Infrastruktur
Vorhandene Infrastruktur
Wege, Wasserleitungen und Stromanschluss sind meist wertvolle Ressourcen. Vorsicht ist jedoch bei unbekannten Strom- & Wasserleitungen geboten. Für die Suche nach unterirdischen Strom-, Gas-, Wasser- und Telekommunikationsleitungen sowie nicht stromführenden Metallrohren sind Kabel- und Rohrortungsgeräte mit Tiefenmessung zu empfehlen. Mithilfe eines zusätzlichen Signalgenerators und einer Sonde können auch nicht leitende Rohre aus Kunststoff, Ton oder Beton über ausgesendete Funkfrequenzen gefunden werden. So wird das Risiko von Schäden Ausfallzeiten, Reparaturkosten und Unfällen bei Grabungsarbeiten vermieden.
Auch unterhalb von bestehenden oberirdischen Leitungen (Hochspannungsleitungen etc.) ist ein entsprechender Abstand zu wahren.
Sportinfrastruktur, wie etwa Langlaufloipen, ist außerhalb des Winters mitunter nicht wahrnehmbar.
Benötigte Infrastruktur
Oft muss die erforderliche Infrastruktur erst geschaffen werden. Neben den o. a. Wegen und Leitungen gehören dazu v. a. Maschinenunterstände und Einzäunungen.
14. Raumplanung & Flächenwidmung
In vielen Bereichen ist es nicht erlaubt oder wenig sinnvoll eine langfristige Kultur zu etablieren. Dazu zählen u. a. unverbautes Bauland und sonstige Widmungskategorien, die eine dauerhafte Bepflanzung verunmöglichen.
FAZIT: Mit der Festlegung des Standorts sind einige Faktoren (Höhenlage, Klima etc.) fix vorgegeben, andere bleiben flexibel (Bewirtschaftung, Düngung). Manche Standortsfaktoren können jedoch durch eine gut durchdachte Sortenwahl ausgeglichen werden. Eine fundierte Beratung durch eine/n erfahrene/n Pomolog*innen ist daher Voraussetzung bei jeder Planung.
Planungsbeispiele basierend auf frei verfügbaren Geodaten
Planungsbeispiel 1: SUPERHOCHSTAMM für DIREKTVERMARKTUNG
Planungsbeispiel 2: HANS im GLÜCK – Eigenversorgung & Verkauf von Tafel- bzw. Mostobst
Planungsbeispiel 3: Edelbrennerei am Berg auf über 1.200 m
Erstellung Saat-, Bepflanzungs- & Bewirtschaftungspläne für HPS
Neben der Berücksichtigung der o. a. Standortsfaktoren sind im Planungsprozess zahlreiche Parameter hinsichtlich der späteren Direktsaat / Pflanzung und v. a. der Bewirtschaftung zu bedenken. Dazu gehören:
Pflanz- & Saatmuster & -abstände
1. Saat- & Pflanzabstände
Saat- und Pflanzabstände sind v. a. aus Sicht der mechanischen Bewirtschaftung (inkl. Unternutzung) und Ernte, der Pflanzengesundheit (Besonnung, Durchlüftung, Wasserversorgung etc.) und anderen Aspekten von entscheidender Bedeutung:
Definition Fahrgassen & Vorgewende
Um die Pflanzabstände zwischen den Reihen an die Maschinen anzupassen, müssen die Wege und die Hauptfahrgassen und Fahrtrichtung(en) sowie erforderliche Vorgewende vorab definiert werden. Dies unter Berücksichtigung von Grenzen und Grenzabständen.
Bewirtschaftung: Abstände zwischen den Reihen
Voraussetzung für eine zeitgemäße Bewirtschaftung (inkl. Unternutzung) sind Abstände, die ein Befahren mit modernen Maschinen erlauben. Entsprechend sind die Abstände zwischen den Reihen ausgehend vom finalen Kronendurchmesser der Bäume sowie unter Berücksichtigung von Maschinenbreiten zu planen. Dabei kann nicht immer von den Maßen im aktuellen Fuhrpark ausgegangen werden, da Maschinen evtl. künftig noch größer werden. In der Planung müssen auch die Höhenlage resp. der verfügbare Niederschlag, die sich auf die Baumgröße stark auswirken, berücksichtigt werden:
- Der Abstand zwischen den Baumreihen sollte in Tieflagen (planare und kolline Stufe, 200 m bis 800 m) zumindest so groß sein, wie der finale Kronendurchmesser der Bäume (z. B. Apfel, Birne, Kirsche 12 m; Mostbirne, Walnuss, Edelkastanie 15 m).
- In mittleren bis höheren Lagen (sub- bis tiefmontane Stufe, 800 m bis 1.200 m) kann der Abstand 1–2 m geringer sein.
- In den höchsten Lagen (mittel- bis obermontane Stufe, über 1200 m) kann der Abstand sogar um 2–3 m geringer gewählt werden.
Die angeführten Werte sind nur für die Ostalpen passend, abseits der Alpen gelten entsprechend adaptierte Werte. Für silvoarable Agroforstsysteme können die Abstände deutlich größer sein (z. B. 18 m, 24 m, 36 m etc.)
Bewirtschaftung: Abstände in der Reihe
In der Reihe können die Pflanzabstände primär nach der finalen Kronengröße und weniger nach der Maschinengröße gewählt werden. Dazu wird je der halbe finale Kronendurchmesser der zwei aneinandergrenzenden Bäume addiert.
Es empfiehlt sich jedoch häufig auch kleiner Bäume (z. B. Pflaume, Mandel) in größere Raster zu integrieren, weil dadurch bei Bedarf auch ein Befahren quer zur Hauptfahrtrichtung ermöglich wird.
Details zum Kronendurchmesser unterschiedlicher Baumarten und Pflanzabständen in Hochstamm-Produktions-Systemen finden sich unter Kulturführung.
2. Saat- & Pflanzmuster
Die Wahl des Saat- bzw. Pflanzmusters hat Auswirkungen auf die Anzahl der Bäume bezogen auf die Fläche und auf die Bewirtschaftung. Folgende Pflanzmuster haben sich (neben anderen) in der Praxis bewährt:
Einzelpflanzung
Einzelbäume werden auf Flächen, wo nicht mehrere Bäume Platz haben (z. B. Wegdreieck), meist jedoch als bewusste Landmarks (Hausbaum, Schattenbaum etc.) freistehend gepflanzt.
Eine Sonderform der Einzelpflanzung, die formal ebenfalls hierhin gestellt wird, sind solitäre Spalierbäume auf starkwachsenden Unterlagen. Solche Bäume waren früher an den Hauswänden in höheren Lagen im Alpenraum allgegenwärtig.
Reihen- (Einzelreihe, Doppelreihe oder Allee) & Konturpflanzung
Reihenpflanzungen betreffen gerade oder gebogene Einzelhochstamm- oder Doppelhochstammreihen (Alleen), die teils straßen- oder flächenparallel (an Nutzungs- oder Grundgrenzen), teils mit den Höhenlinien (keyline design) verlaufen (Konturpflanzungen).
Gruppen- & Clusterpflanzung
Gruppenpflanzungen, wie sie im Forst verstanden werden, sind für HPS nur eingeschränkt sinnvoll, wenn es um die Erzeugung von Wertholz ohne vorrangige Obstproduktion geht.
Bei obstbaulichen Produktions-Systemen macht es jedoch sehr wohl Sinn Gruppen von Einzelsorten (mit gleichem Erntezeitpunkt) resp. ausgewählte Sortengruppen (z. B. Lokalsorten, Reinetten, Sommeräpfel etc.) in Quartieren gruppiert zu pflanzen.
Dies ist auch für Schau- und Demobetriebe aus didaktischen Überlegungen zu empfehlen.
Rasterpflanzung
Baumreihen, die in Rasterpflanzung Nord-Süd verlaufen stehen ideal zur Sonne und sie trocknen gut auf. Der Raster besteht aus parallel zueinander verlaufenden Reihen, deren Bäume auf gleicher Höhe stehen und deren Abstand in der Reihe ebenfalls gleich groß ist:
- Quadratverband / Geviert: Die Pflanzung erfolgt schachbrettartig, die Abstände zwischen den Bäumen sind in alle Richtungen gleich groß.
- Rechteckverband: Die Baumabstände sind in eine Richtung (meist in den Fahrgassen) größer.
Dreieckverband, Quincunx / Diagonal- & Hexagonalpflanzung
Im Dreieckverband finden auf derselben Fläche mehr Bäume Platz als in Rasterpflanzungen. Jede zweite Reihe ist um den halben Abstand in der Reihe verschoben. Durch die gleichmäßigere Standraumnutzung können die Boden- und Lichtressourcen besser genutzt werden. Dennoch sollte auf die erforderlichen Baumabstände geachtet werden.
- Dreieckverband: Die Pflanzung erfolgt in gleichseitigen / gleichwinkeligen (Seitenlängen a = a = a) bzw. gleichschenkeligen Dreiecken (Seitenlängen a; b = b)
- Quincunx: Fünferpflanzung als Sonderform des Dreiecksverbandes.
- Diagonal- & Hexagonalpflanzung: Sechseckpflanzung als Sonderform des Dreiecksverbandes.
Ergänzungspflanzung im Altbestand
Regelmäßig müssen Altbaumbestände in moderne HPS integriert werden. Dies muss so erfolgen, dass die Bestandsbäume in der Bewirtschaftung im Idealfall nicht stören. Meist ist das System (Raster) der ursprünglichen Bepflanzung noch erkennbar. Dennoch gibt es häufig Einzelbäume, die nicht gut in ein Raster passen.
Mischpflanzungen mit Sträuchern und diversen Kulturpflanzen
In silvoarablen und silvopastoralen Agroforst-Systemen werden die o. a. Pflanzsysteme häufig mit Sträuchern und Ackerkulturen, Wiesen, Weiden etc. kombiniert. Hier sind beinahe endlose Möglichkeiten zur Gestaltung gegeben.
Berechnung der Baumanzahl bei einem Pflanzverband
Die Baumanzahl auf der HPS-Fläche lässt sich ausgehend von der folgenden Formel berechnen, wobei Grenzabstände, Gebäude etc. zusätzlich zu berücksichtigen sind:
Dazu zwei Rechenbeispiele:
Ergebnis: Auf einem Hektar finden bei einem Pflanzraster von 12 m x 10 m 83 SUPERHOCHSTÄMME Platz.
Ergebnis: Auf einem Hektar finden bei einem Pflanzraster von 15 m x 15 m 44 SUPERHOCHSTÄMME Platz.
Planung Direktsaat resp. Pflanzung
Je nach Untergrund, Klima und v. a. Niederschlagsmenge ist zwischen einer Direktsaat oder Pflanzung abzuwägen. Lagen mit weniger als 600 mm Niederschlag sollten unbedingt eine Direktsaat planen.
Symmetrie, Ästhetik & Sichtachsen – weitere Aspekte
Eine guter Bepflanzungsplan dient nicht nur der Bewirtschaftung, sondern er erfüllt auch ästhetische Anforderungen. Dies kann u. a. durch …
… Berücksichtigung von Symmetrien,
… gezielt geplante Blühaspekte an definierten Stellen,
… die Berücksichtigung von Sichtachsen erfolgen.
Das Nutzungsziel bestimmt die Obstarten & -sortenwahl
Je nach Vorhaben resp. betrieblicher Ausrichtung müssen Planungen von HPS individuell auf die Interessen der Auftraggeber*innen abgestimmt sein. Für die Planung von HOCHSTAMM-Produktions-Systemen konnten auf Basis der jahrelangen Praxis in der Umsetzung mehr als 40 unterschiedliche Nutzungsziele definiert und diese in 10 Hauptgruppen geclustert werden:
Selbstversorgung, Verarbeitung & (Direkt-)Vermarktung
1. Selbstversorgung
Hochstamm-Systeme, die rund um das private Wohnhaus oder um landwirtschaftliche Gebäude stehen und primär der Eigenversorgung mit Frischobst sowie für Verarbeitungsware dienen. In sehr guten Obstjahren wird viel verarbeitet und Nachbar*innen sowie Verwandtschaft reichlich beschenkt.
Historisch waren diese Bestände oft durch zerstreute Einzelbäume oder zu dicht gepflanzte Bäume geprägt. Dies bedingte eine schwierige (meist nur manuelle) Nutzung, wodurch die Baumzahlen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgingen. Nachpflanzungen sollen maschinentauglich gestaltet werden. Die Flächengröße der Bestände liegt meist unter 0,30 ha.
Obstarten & -sorten: Breites Spektrum an Obstarten & -sorten zur Selbstversorgung mit möglichst langer zeitlicher Erstreckung (Frischobst bis Lagerung) und vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in der Verarbeitung.
2. Direktvermarktung & Verarbeitung
Obst vom SUPERHOCHSTAMM stellt häufig ein zusätzliches betriebliches Standbein (z. B. neben Milch- & Rindfleischerzeugung) dar. Ob Frischobst im Hofladen und am Bauernmarkt oder eigenes Obst in der Verarbeitung (z. B. Obst im Schafjoghurt), die Möglichkeiten sind hier vielfältig. Die Flächengrößen der HPS bei der Direktvermarktung liegen meist zwischen 0,30 bis 1,50 ha.
Obstarten & -sorten: Je nach betrieblicher Ausrichtung wird ein breites Spektrum an Arten & Sorten angeboten. Bei Spezialisierung in der Verarbeitung oder im Handel wird auf ein eingeschränktes bewährtes Portfolio gesetzt. Um auf Kundenwünsche reagieren zu können, wird vermehrt „Klimaobst“ angebaut (Maulbeeren, Mandeln, Kaki etc.). Alte Sorten sind hoch im Kurs.
3. Betriebliches Hauptstandbein
Immer mehr Betriebe entscheiden sich SUPERHOCHSTÄMME als eine der Haupteinnahmequellen des Betriebes zu etablieren. Dabei werden Flächen von 1,00–5,00 ha, mitunter bis zu 15,00 ha und mehr als modernes Hochstamm-Produktions-System bepflanzt. Entsprechend der Investition und langfristigen Ausrichtung braucht es hier umfassende Betriebskonzepte und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
Nachdem der gesamte Obstbau über Jahrzehnte nur auf klassische Niederstamm-Plantagen ausgelegt war, muss in vielfacher Hinsicht Neuland beschritten werden: Kulturführung, maschinelle Ausrüstung, Pflanzenschutz, Erntetechnik, Lagerung, Verarbeitung und Verkauf sind zentrale Materien.
Obstarten & -sorten: Für den Verkauf resp. die Verarbeitung großer Obstmengen braucht es ein überschaubares und definiertes Sortiment. Dieses sollte so gewählt sein, dass es zu einer Risikostreuung hinsichtlich der Blüh- & Erntetermine etc. kommt, um Totalausfälle zu verhindern.
Ein sehr vielfältiges Sortiment findet sich hingegen auf dem u. a. Versuchs-, Lehr- & Demobetrieb für ökologische Landwirtschaft, Agroforst & Sortenvielfalt.
4. Erweiterung Portfolio Gemüsebaubetrieb
Im Zuge der HPS-Planung wurden bereits mehrere Projekte auf Gemüsebaubetrieben mit Freilandanbau, Folientunneln, Glashäusern resp. CSA-Betrieben umgesetzt. Offensichtlich ist die Affinität zu Obst hier sehr hoch. Zudem sind mehrere Faktoren entscheidend:
- Gemüsebaubetriebe verfügen bereits über funktionierende Absatzkanäle.
- Obst stellt eine ideale Ergänzung im Portfolio für Kund*innen vom Sommer bis weit in den Winter dar (Kund*innenbindung).
- HPS und Gemüse passen auch als Kulturen gut zusammen, da durch die hohen Stämme und bei geeigneten Abständen eine gewünschte aber nicht zu hohe Beschattung erreicht werden kann.
- Gemüsebetriebe sind manuelle Arbeit gewöhnt und haben auch Mitarbeiter*innen an der Hand, die sich rasch in die Kulturführung einarbeiten.
Obstarten & -sorten: Ähnlich, wie bei den o. a. Direktvermarktungsbetrieben geht es um ein attraktives Sortiment mit möglichst langer saisonaler Verfügbarkeit.
5. Ergänzung / Verjüngung Altbestand
Für die Erweiterung von Obstbeständen gibt es viele Gründe. Der häufigste darunter: Der Bestand ist längst in die Jahre gekommen, lückig und hoffnungslos überaltert. Die heutigen Bewirtschafter*innen finden Gefallen an einem modernen Produktions-System und sie pflanzen wieder nach.
Obstarten & -sorten: Die Obstarten- & -sortenwahl ist hier sehr variabel. Häufig werden aber Sorten, die bekannt sind und sich am Hof bewährt haben, erneut nachgepflanzt.
Ein weiterer häufiger Anlass zur Verjüngung bzw. Ergänzung des Obst-Bestandes sind dramatisch geänderte Nutzungsansprüche bzw. Wünsche der Bewirtschafter*innen: „Weg vom Schnaps!“ so lautet das Motto. Die Betriebe hatten früher viel mehr Personal und (v. a.) Mann, Frau, Kind (unfreiwilliges Ruhigstellen der Babys) und Tier (medizinische Zwecke) nutzten den Schnaps in großen Mengen.
Heute gibt es ein völlig verändertes Konsum-, Ernährungs- & Gesundheitsbewusstsein, wodurch der Schnapskonsum deutlich zurückgegangen ist.
6. Hobbybaumwart*innen & -verarbeiter*innen
Private Hobbybaumwart*innen & -verarbeiter*innen haben meist bunte Anlagen, in denen sehr viel ausprobiert wird. Ständig wird gepflanzt und geschnitten, geerntet und verarbeitet. Sobald die Bäume eine gewisse Größe erreicht haben, merkt man auch hier: Die Abstände sind für eine maschinelle Bearbeitung zu eng, der Kronenansatz zu tief. So wird die (händische) Arbeit ständig mehr und mitunter läuft man Gefahr die Freude am Hobby zu verlieren. Maschinentaugliche HPS mit SUPERHOCHSTAMM sind hier eine willkommene Lösung.
Obstarten & -sorten: Zumeist herrscht eine breite Vielfalt vor, teils finden sich absolute Raritäten. Die Sammelleidenschaft ist merkbar.
Gewerbe
7. Attraktivierung / Ökologisierung Firmengelände
Große Firmen bieten oft tolle obstbauliche Möglichkeiten. Gemeinsam mit einer Baufirma, die 13 Gewerbeberechtigungen innehat, ein HPS am Firmengelände und zugleich auch am firmeneigenen Betriebskindergarten und (eine Dachbepflanzung) für das betriebseigene Spitzenlokal umzusetzen, ist eine einzigartige Herausforderung. Die beiden Firmenchefs (Senior und Junior) versäumen keinen SUPERHOCHSTAMM-Baumwartkurs.
Obstarten & -sorten: Spalierobst zur Begrünung und Klimatisierung großer Betonwände, kleinfrüchtige Sorten für den Betriebskindergarten und absolute Raritäten für die Top-Gastronomie.
8. Gewerbliche Brennerei
Gewerbliche Brennereien legen häufig selbst moderne Hochstamm-Produktions-Systeme an. Die Herstellung der eigenen Ware in hoher Qualität als Ressource für Edelbrände steht dabei im Vordergrund. Wenn die gewerbliche Brennerei zugleich Schau- und Demobetrieb ist, dann stellt der Obstbestand einen Teil des Gesamtauftrittes im Zuge von Führungen und dgl. dar. Der Zukauf von Ware ist durchaus verbreitet.
Obstarten & -sorten: In Brennereien ist die Anzahl an Sorten meist überschaubar, da es auch um eine vernünftige Menge für die Verarbeitung geht. Die Menge von jeder Sorte richtet sich sehr häufig nach der Größe der Maischefässer resp. Brennanlage.
Regional herrschen hinsichtlich der Arten- und Sorten (z. B. Mostviertel, Oststeiermark, Salzburg etc.) große Unterschiede. Während viele noch meinen ein „Willi“ (Williams Christbirne) muss einfach dabei sein, haben sich andere längst auf wirkliche Sortenraritäten verlegt. Von der bunten Vielfalt zeugen die jährlichen Ergebnislisten diverser landesweiter oder internationaler Prämierungen.
9. Gewerbliche Mosterei bzw. Obstpresse
Gewerbliche Mostereien und Obstpressen stellen naturgemäß seltener ihre eigene Ware her als Brennereien. Die meisten Mostereien leben von der Lohnmosterei. Eigene Obstbestände werden häufig aus Begeisterung für das Thema insgesamt und auch als Visitenkarte gegenüber Kund*innen gepflanzt. Einzelne Betriebe wollen besonders prächtig erzogene „Vorzeigebäume“ rund um die Obstpresse, denn schließlich kommen im Herbst hunderte Kund*innen, die sich bei entsprechenden Wartezeiten bald unter den Obstbäumen tummeln und alles genau in Augenschein nehmen.
Obstarten & -sorten: Hinsichtlich der Arten- und Sorten gibt es keine auffälligen Besonderheiten, außer dass Mostobst das reine Tafelobst zumeist überwiegt.
10. Aus- / Aufbau betrieblicher Schwerpunkt / Alleinstellung
Manche Betriebe finden Erfolg in der Spezialisierung auf ein Nischenthema, das oftmals hohe fachliche Kompetenz erfordert. Ein betriebliches Alleinstellungsmerkmal bringt mitunter im Wettbewerb große Vorteile.
Obstarten & -sorten: Als Beispiele können hier das Projekt rund um die Elsbeere in Niederösterreich, neue und vitale Hirschbirnen vom modernen SUPERHOCHSTAMM oder die Spezialisierung auf Vogelbeeren in Hochlagen dienen.
11. Erweiterung Portfolio Brauerei
Heimische Brauereien müssen sich ständig etwas Neues einfallen lassen, um neben den großen internationalen Konzernen bestehen zu können. Eine Erweiterung des Portfolios mit HPS-Sorten ist ein lohnender Ansatz.
Obstarten & -sorten: Ausgewählte Sortenraritäten um mit neuen Geschmacksrichtungen zu experimentieren.
12. Gewerbliche Baumschule
Zunehmend gehen Baumschulen wieder dazu über, den SUPERHOCHSTAMM als Mutterbaum für Saatgut (Direktsaat) resp. als Reiserschnittbaum für vegetative Vermehrung zu ziehen. Die Bäume müssen vom amtlichen Pflanzenschutzdienst zertifiziert und jährlich kontrolliert werden, sodass beim Inverkehrbringen der Ware nur gesundes Material Verwendung findet.
Obstarten & -sorten: Wildlinge (Holzäpfel & Holzbirnen) sowie für den Verkauf besonders geeignete Sorten.
Tourismus / Freizeitwirtschaft / Gastronomie
13. Attraktivierung & Beschattung Reitgelände
Pferde sind sensibel, wenn es um die Ernährung geht. Entsprechend muss die Planung für eine Bepflanzung wohl überlegt sein. Bei manchen Bäumen sind die Blätter nicht bekömmlich bzw. sogar giftig, bei anderen die Früchte bzw. deren Steinkern und dgl.
Zugleich ist Schatten im Auslauf und entlang von häufig genutzten Reitwegen sehr willkommen. Die Bäume sollen die Wege aber nicht so sehr beschatten, dass es im Winter zu Eisbildung kommt und Pferd und Reiter*in gar ausrutschen und stürzen könnten.
Eine enge Abstimmung, auch bzgl. temporärer Auszäunungen mancher Bereiche, ist in der Planung erforderlich.
Obstarten & -sorten: Je nachdem ob Pferd (Esel, Pferd, Pony) oder Neuweltkamel (Alpaca, Lama) sind manche Obstgattungen oder -arten auszuschließen oder geeignet. Eine entsprechende Zusammenstellung wird individuell angepasst.
14. Gestaltung Naturrefugium
Für manche Städter ist es der Traum schlechthin: Ein kleines Stück Land, ein Wochenendhäuschen samt Schwimm- oder Fischteich und rundum ein Obstgarten. Mit SUPERHOCHSTAMM bleibt Platz für die Mahd und Ernte. Zugleich ist Schatten vorhanden…
Obstarten & -sorten: Nach persönlicher Vorliebe.
15. Selbstversorgung in der Spitzengastronomie
Die Geschmacksvielfalt alter Obstsorten wird in der Spitzengastronomie Österreichs zunehmend geschätzt. Die Pioniere in diesem Bereich sind Heinz und Birgit Reitbauer am Pogusch in der Steiermark und im Steirereck in Wien. Am Pogusch werden mehr als 100 alte Obstsorten auf deutlich über 1.000 m als SUPERHOCHSTÄMME kultiviert.
Obstarten & -sorten: Im gastronomischen Alltag stehen große Arten- und Sortenvielfalt sowie die Regionalität des Angebotes im Zentrum. Dennoch braucht es ausreichende Obstmengen, sowie herausragende Sorten hinsichtlich ihrer geschmacklichen Typizität: z. B. sehr gerbstoffreiche Holzäpfel, besonders saure Sorten, Sorten mit hervorragender Würze etc.
16. Frisch- & Verarbeitungsobst für Nächtigungsgäste
Zirka 2.500 „Urlaub am Bauernhof“ Betriebe, sowie zahlreiche Privatpensionen, Hotels etc. in Österreich bieten Nächtigungen mit Frühstück an. Entsprechend dem Trend zu mehr Regionalität, Frische, kurzen Transportwegen und gesundem, unbehandeltem Obst sowie aus Kostengründen wollen immer mehr Betriebe ihre eigene Frischobstversorgung aufbauen. Die Flächen liegen dabei meist zwischen 0,25 bis 1,00 ha.
Obstarten & -sorten: Eine möglichst lange saisonale Verfügbarkeit sowie eine breite Obstarten- und -sortenvielfalt sind gewünscht. Neben der Frischobstversorgung (Frühstücksbuffet etc.) sind auch Verarbeitungsware (v. a. Säfte) und Lagerobst für den Winter sehr begehrt. Regional gibt es Schwerpunktsetzungen (z. B. Feigen in der Südsteiermark, Spänlinge im Murtal etc.).
17. Obstgarten Buschenschank
Mostschänken und Heurige bieten ein gastronomisches Angebot rund um HPS-Obst. Häufig handelt es sich dabei um Ausflugsziele, die Individualtouristen ebenso anlocken, wie ganze Busladungen mit vergnügungswilligen Gästen. Mit einer modernen SUPERHOCHSTAMM-Anlage hebt sich der Betrieb vom Mitbewerb ab.
Obstarten & -sorten: Während rund um die Gebäude Spalierbäume und dekorative Raritäten vorherrschen, braucht es im HPS daneben entsprechende Verarbeitungsware (ausreichend große Mengen einzelner Sorten) für Säfte und Moste, Gelees, Nektare, Fruchtaufstriche, Marmeladen, Chutneys, Dörrfrüchte u. a. m.
Öffentlicher Raum
18. Hangstabilisierung
In steilen Hanglagen der kollinen und montanen Stufe dienen Obstbäume häufig zur Hangstabilisierung von Rutschhängen und zur Böschungssicherung. Durch die Folgen des Klimawandels werden Erdrutsche nach Starkregenereignissen häufiger, zudem hilft eine Durchwurzelung die Erosion durch Beweidung einzudämmen.
Obstarten & -sorten: Auswahl nach Bedarf. Durch Direktsaat kann eine bessere Verankerung erreicht werden.
19. Gestaltung & Bewusstseinsbildung im öffentlichen Raum
In Parks, neben Kirchen und Kapellen, an besonderen Aussichtspunkten oder auf öffentlichen Plätzen stehen häufig markante landschaftsprägende Einzelbäume. Besondere Bäume schaffen besondere Orte!
Obstarten & -sorten: Ins Ensemble passende Obstarten mit entsprechenden Baumgrößen.
20. Gemeindeeigene Anlagen
Kommunen verfügen oft über große Flächen. Vielfach sind diese versiegelt, wodurch es zu immer stärkerer Erhitzung im Siedlungsraum kommt. Gerade in deutschen Großstädten sind aktuell immer vehementere Forderungen nach Baumpflanzungen zu vernehmen (siehe www.baumentscheid.de). Manche Gemeinden haben die Zeichen der Zeit erkannt und pflanzen Hochstamm-Obstbäume. Diese bieten Schatten, Luftfeuchtigkeit und (so nicht zu nah an der Straße) Obst, das bei den Bürger*innen sehr beliebt ist. Die Bäume müssen so gepflanzt sein, dass das Obst nicht auf Verkehrswegen landet.
Obstarten & -sorten: Eher kleinkronige Sorten, die jedoch gut aufgeastet werden müssen, damit Fahrzeuge und Bewirtschaftung Platz haben. Dort wo es der Standraum zulässt, auch mächtige und große Bäume.
Wasserbau
21. Bepflanzung wasserbauliche Maßnahmen
Wasserbauliche Maßnahmen sind, nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels, häufig mit großen Eingriffen in die Landschaft verbunden. Rückhaltebecken, Geschiebesperren, Wälle entlang von Flüssen u. a. m. Bereits in mehreren Fällen wurden mit dem System SUPERHOCHSTAMM Dämme bepflanzt oder andere Maßnahmen begleitet.
Obstarten & -sorten: Tiefwurzelnde, robuste Arten und Sorten, die zur Hangstabilisierung beitragen. Direktsaat ist hier ideal.
Kulturelles & Ästhetik
22. Sichtschutz für Wohnhaus und Privatsphäre
Privatsphäre ist für Menschen wichtig. Manche pflanzen rund um das Haus lieber eine Obstbaumreihe und laden dann gezielt Freunde zum Genießen ein, anstatt sie sich hinter Thujen- oder Kirschlorbeerhecken zu verbarrikadieren.
Obstarten & -sorten: Frei nach Vorliebe, wobei die Planung viele Aspekte (z. B. Schattenlauf, Sichtachsen etc.) berücksichtigen muss.
23. Sichtbepflanzung großer Mauerflächen
Mauern können unschöne Betongebilde in der Landschaft oder aber hübsch bepflanzte Wärmefallen für den Hochstamm-Obstbau sein. Gerade in den Alpen geht es oft darum die Vegetationsperiode zu verlängern oder es kann thermisch anspruchsvolles Obst nur an geschützten Stellen erfolgreich gezogen werden. Zumeist handelt es sich um große Mauerflächen von Maschinenhallen, Stallgebäuden, Güllegruben und dergleichen.
Obstarten & -sorten: Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschke – sie alle finden sich an warmen Mauern. Für Pfirsich, Marille, Weichsel und Feige sind dies häufig die idealen und einzig möglichen Standorte.
24. Revitalisierung historischer Obstbestände
Hochstamm-Obstbäume können über 200 Jahre alt werden und das Gesicht von Landschaften nachhaltig prägen. Häufig kommt es zum Ausfall von Bäumen durch Überalterung und in der Folge zum sukzessiven Verschwinden historischer Bestände. Hier braucht es dringend die Verjüngung nach dem System SUPERHOCHSTAMM.
Obstarten & -sorten: Pomologische Bestimmung und Nachpflanzung mit den historischen Sorten bzw. Veredelung ausgehend vom Altbestand. Bei stark geänderten Klimabedingungen ist es durchaus sinnvoll die Baumarten- und Sortenwahl einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
25. Gestaltung Landschaftsbild
Einzel- & Doppelreihen (Alleen) sind hervorragend dazu geeignet in Ortsgebieten oder entlang von Ausfallstraßen, begleitende Strukturen mit Leit- und Gestaltungsfunktion einzurichten. Vielfach wirken große Gebäude heute wie massive Schachteln ohne Kontext zur Umgebung in die Landschaft geworfen. SUPERHOCHSTÄMME können es mit der Größe aufnehmen und helfen bei der Integration ins Orts- bzw. Landschaftsbild.
Obstarten & -sorten: Hier machen triploide großwüchsige Sorten von Apfel- und Birnbäumen (häufig Mostobst) ebenso Sinn, wie große Nuss- oder Kirschbäume. Unter den Klimagehölzen finden sich hier häufig Speierling, seltener Elsbeere oder Maulbeere.
Klima
26. Nutzung natürlicher & künstlicher Strukturen als Wärmefallen
In Hochlagen oder in sonnenarmen Lagen braucht es für eine erfolgreiche SUPERHOCHSTAMM-Kultur mitunter besondere Lösungen um auch anspruchsvollere Sorten zur Vollreife zu bringen. Durch überlegte Standortswahl kann die Vegetationsperiode um die entscheidenden 2–3 Wochen verlängert resp. die Gesamtwärmemenge deutlich erhöht werden. Situationen, für die bereits HPS geplant wurden: eiszeitliche Moränenhänge, große Hangsicherungen (Steinschlichtungen) und sonstige Bauten.
Obstarten & -sorten: Thermisch anspruchsvolle Obstarten und -sorten.
27. Windschutz auf großen freien Flächen
Wind und Stürme führen zur Austrocknung von Agrarflächen, Bodenverfrachtung u. a. m. Hochstamm-Produktions-Systeme können hervorragend als Windbremsen funktionieren und den Ertrag auf der Fläche deutlich steigern. Die langen linearen Strukturen sind in der ausgeräumten Kulturlandschaft für Vögel und andere Kleintiere zudem als Aufsitzmöglichkeiten und Korridore (Biotopverbund) wertvoll.
Obstarten & -sorten: Alle Obstarten & -sorten, die groß genug werden, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Zudem müssen die Arten tief wurzeln (Direktsaat ist zu bevorzugen) und die Früchte müssen windfest sein.
28. Beschattung Grünland oder Ackerkultur
Klimawandelbedingt brennen immer mehr steile süd- und westexponierte Wiesenflächen gänzlich aus. Meist verdorrt zumindest ein Schnitt oder er fällt mangels Niederschlag überhaupt aus. Aus der Beobachtung bestehender Gehölze haben Landwirt*innen gelernt, dass eine temporäre Beschattung durch sonnseitig vorgelagerte Gehölze die Ertragsausfälle deutlich verringert und, im Idealfall, sogar zu Mehrertrag führt.
Über die Baumabstände in der Reihe und die Stamm- sowie Gesamthöhe der SUPERHOCHSTÄMME kann der Grad der Beschattung geregelt werden.
Obstarten & -sorten: Arten & Sorten, die nicht zu Spätfrost-Ausfällen neigen und mit den großen Unterschieden zwischen Sommerhitze und nächtlicher oder winterlicher Kälte, etwa in inneralpinen Trockentälern zurechtkommen.
29. Beschattung Weidevieh
In den letzten Jahren wurden v. a. für Rinder und Schafe, aber auch für Alpakas, Pferde & Ponys sowie Schweine HPS zur Beschattung geplant und umgesetzt. Bekanntermaßen gibt eine Kuh mehr als 1 Liter zusätzliche Milch am Tag, wenn sie auf der Weide ausreichend Schatten vorfindet. Zugegeben, dies funktioniert auch unter dem Ahorn, es muss nicht zwingend ein Obstbaum sein.
Beweidung ist jedoch auch aus obstbaulicher Sicht sinnvoll: Weidetiere vertreten Wühlmausgänge und fressen frühzeitig abgefallenes Obst, das sonst als Inokulum für den Befall der gesamten Ernte mit Krankheiten dienen würde.
Obstarten & -sorten: Alle Obstarten & -sorten, die von Interesse sind.
Die Mär, dass Rinder an Äpfeln ersticken würden, gehört ins Reich der Mythen. Alpakas hingegen vertragen wirklich nicht zu viel an Fructose und auch Pferde sind hinsichtlich Obst mitunter empfindlich. Doch das beruht auf Gegenseitigkeit, denn auch die Bäume können in Pferdeweiden Schaden nehmen. Entsprechend braucht es einen guten Weideschutz – v. a. dann, wenn die Ziege das HPS betritt.
30. Beschattung Beerenkultur
Durch die wärmeren Sommer der letzten Jahre kommt es bei immer mehr Kulturen zu Sonnenbränden und Schäden infolge von Trockenheit. Diese können auch Beerensträucher, wie Haskap, Aronia oder Kulturheidelbeeren betreffen.
In Versuchen zeigte sich, dass eine agroforstliche Kombination mit baumförmigen Überhältern, die Schatten bieten, ideal ist. Dies verwundert nicht, da z. B. Kulturheidelbeeren von Arten abstammen, die auch in der Natur in halboffenen Waldsituationen (zwischen Bäumen) gedeihen.
Entsprechend braucht es eine Planung, die v. a. in den heißesten Stunden im Sommerhalbjahr gewährleistet, dass ein Schatten über die Strauchkultur streicht und diese schützt. Damit wird eine volle Besonnung vermieden und es kommt zu keinen nachteiligen Einbußen hinsichtlich der Photosyntheseleistung. Die Abstände zwischen den Bäumen müssen angepasst an die Kultur gewählt sein.
Obstarten & -sorten: Obstarten (z. B. Kirche, Nuss etc.), die rasch hohe Stämme bilden und die Unterkultur wenig durch herabfallendes Obst negativ beeinflussen und ggfs. als Wertholz früh geerntet werden können.
31. Agroforst
Agroforst umfasst u. a. unterschiedlichste silvoarable und silvopastorale Hochstamm-Systeme, die sowohl mit Waldbaumarten als auch Obstgehölzen gestaltet sein können.
Dem Aspekt der Doppel- bzw. Dreifach- oder gar Vierfachnutzung (Unternutzung, Obstnutzung, Wertholz sowie Erbringung von gesellschafts- und klimarelevanten Ökosystemleistungen – ÖPUL) kommt hier besonderer Stellenwert zu.
Obstarten & -sorten: Alle Obstarten & -sorten, die von Interesse sind. Auf einem Musterbetrieb in Oberösterreich wurde ein Agroforstsystem mit 48 Gehölzarten und mehr als 100 Sorten umgesetzt.
Naturschutz & Biodiversität
32. Ökologisierung Golfplatz
Golfplätze gelten als naturferne Lebensräume, obwohl sehr oft abseits vom Green durchaus wertvolle Kleinbiotope (Gewässer, Gehölze etc.) angelegt bzw. erhalten werden. Einen Golfplatz mit einem Hochstamm-Produktions-System zu kombinieren und den SUPERHOCHSTAMM zur Produktion von Obst zu integrieren, ist in dieser Form bestimmt neu. Im Clubhaus können die Mitglieder künftig den eigenen Apfelsaft genießen.
Obstarten & -sorten: Je nach Höhenlage einige attraktive Sommer- & Herbstsorten, die einfach vom Rasen oder Baum gegessen werden können. Großteils aber Winterobst, um bei warmem Wetter im Herbst keine Gefährdung der Sportler*innen durch Wespen zu provozieren.
33. Forschung, Förderung Biodiversität & Erhaltung von alten Sorten
Vermehrt wollen Betriebe die Biodiversität auf ihren Flächen erhöhen. Im Planungsprozess zeigt sich rasch, warum die alten Streuobstbäume immer weniger geworden sind. Deshalb geht es nun an die Planung moderner Hochstamm-Systeme, die maximale Biodiversität bei zugleich optimaler Bewirtschaftung garantieren.
Andere Projekte verfolgen die private Forschung und Entwicklung im Bereich neuer SUPERHOCHSTAMM-Systeme. Nur in einem Netzwerk aus Betrieben, die viele wertvolle Beobachtungen einbringen, kann das System rasch weiterentwickelt werden.
Obstarten & -sorten: Zur Sortenerhaltung braucht es v. a. ein Sortiment von lokalen und regionalen Sorten, denn Bohnapfel & Co. sind ohnedies vielfach in Sammlungen gesichert. Zur Förderung der Biodiversität braucht es neben der Vielfalt an hohen Bäumen v. a. eine extensive Bewirtschaftung des Gesamtsystems. Für Forschungsfragen muss sich die Sortenwahl nach den Fragestellungen im jeweiligen Projekt ausrichten.
34. Förderung des Wildbestandes
Hochstammobst wird immer häufiger in Kombination mit Wildhaltung oder Wildfütterung betrachtet. Rot- & Rehwild bevorzugen gerbstoffreiche, säurebetonte Sorten, die nachweislich förderlich für die Tiergesundheit sind. Gerade in sehr hohen Lagen, wo aus klimatischen Gründen eine Tafelobstproduktion gar nicht und eine Mostobstproduktion nur eingeschränkt möglich sind, ist eine spannende Nische gegeben.
Obstarten & -sorten: Thermisch resiliente Arten, wie Vogelbeere, aber auch robuste Mostäpfel & -birnen sind hier gefragt. Ein ausreichender Stammschutz (große Schneehöhen) ist das Gebot der Stunde.
Bildung & Soziales
35. Lehrbetrieb Ausbildung Baumwart*innen
Baumwart*innen die eine Baumerziehung nach dem System SUPERHOCHSTAMM anbieten wollen, brauchen für Ihre Ausbildung Flächen, mit ausreichend Bäumen, die nach diesem System erzogen wurden. An klassischen Hochstämmen in Streuobstwiesen kann der SUPERHOCHSTAMM nicht gelehrt und verstanden werden. Dabei sind Aspekte von der Direktsaat oder Pflanzung über Erziehungsschnitt bis hin zur Ernte und Pomologie zu berücksichtigen.
Obstarten & -sorten: Arten und Sorten, die aus pädagogisch-didaktischer Sicht ein großes Spektrum abdecken sowie eine Verfügbarkeit quer durch das Jahr in Pflege und Verarbeitung erlauben. Zudem braucht es mehrere Bäume je Sorte und für einen fundierten Kursbetrieb zumindest 20 größere, unterschiedlich alte HPS-Flächen.
36. Schau-, Demo- & Lehranlage
Lernorte, wie Landwirtschaftliche Fachschulen oder „Schule am Bauernhof“-Betriebe brauchen eine möglichst zeitgemäße Infrastruktur, um Praxiswissen in Kursen und Exkursionen weitergeben zu können.
Obstarten & -sorten: Arten und Sorten, die aus pädagogisch-didaktischer Sicht ein großes Spektrum an Regionalsorten abdecken sowie eine Verfügbarkeit quer durch das Jahr in Pflege und Verarbeitung erlauben. Zudem soll die Wirtschaftlichkeit möglichst gut darstellbar sein.
37. Lehranlage für Menschen mit Behinderungen
Eine aktuell noch seltene Nutzung von SUPERHOCHSTÄMMEN im pädagogischen Bereich sind Lehranlagen für Menschen mit Beeinträchtigungen. International (z. B. Deutschland oder Dänemark) existieren dazu komplexe Projekte, die viele Menschen mit besonderen Bedürfnissen in einzelne Schritte von der Unterlagenproduktion bis zur Obsternte einbinden.
Obstarten & -sorten: Arten und Sorten, die möglichst unterschiedliche Aspekte und hohes Aroma bieten.
38. Lehranlage Waldkindergarten
„Lasst sie raus“ fordert der Biologe und Naturphilosoph Andreas Weber für unsere Kinder. Lernen am und mit dem SUPERHOCHSTAMM wurde bereits umgesetzt. Eine „artgerechte Haltung“ ist bei Hühnern und Rindern weitgehend Stand der Technik. Ob diese für Kinder, die vielfach 5–8 Stunden in der Schule und vor Aufgaben sitzen, auch gegeben ist, sei an dieser Stelle bezweifelt.
Obstarten & -sorten: Arten und Sorten, die begeistern und ebenfalls möglichst unterschiedliche Aspekte (geschmacklich, Wuchs, Jahreslauf etc.) und hohes Aroma bieten.
39. Schauanlage Freilichtmuseum
Es gibt kaum einen idealeren Ort zur Präsentation von landestypischen Regionalsorten als im regionalen Freilichtmuseum. Dort stellen HPS ideale lebendige Ergänzungen zu den unbewohnten Gebäuden dar.
Für Besucher*innen bietet sich die Möglichkeit die Besonderheiten ihres Bundeslandes im Jahreslauf kennen zu lernen.
Obstarten & -sorten: Landestypischen Regionalsorten.
40. Schauanlage Imkerei
Honigbienen sind Haustiere, die sich in ihrer Tracht stark nach dem Nahrungsangebot richten. Im Frühling sind Obstbäume eine sehr willkommenem Nahrungsquelle und für Obstbäuer*innen ist die Bestäubungsleistung der Bienen essenziell. Klassische Win-win-Situation!
Obstarten & -sorten: Die Auswahl richtet sich primär nach den Wünschen der Obstwiesen-Bewirtschafter*innen.
Grenzfälle bzw. Grenzen verbinden
41. Gemeinsame Grenznutzung
„An der Grenze und am Rain ist die Welt zu klein“. Dieses alte steirische Sprichwort bezieht sich auf etwaige Grenzkonflikte, die mit der Pflanzung von Obstbäumen häufig erst entstehen: Wie nah darf an die Grenze gepflanzt werden? Wer darf ernten? Was, wenn es Schatten gibt oder die Bäume zu hoch werden?
In Niederösterreich führte dies historisch zur Entwicklung der sogenannten „Neidzeiler“, wo ein Nachbar eine Baumreihe eng an die Grenze pflanzte und umgehend der andere Nachbar dasselbe tat. Dadurch entstanden zwei sich einander lebenslang bedrängende Baumreihen, die nur einseitig eine vernünftige Krone entwickeln konnten.
Eine in der Planung sinnvolle und friedenerhaltende Lösung ist die Folgende: Es wird gemeinsam eine Baumreihe mitten auf die Grenze gepflanzt. Je die Hälfte der Bäume gehört einem Nachbarn. Welche Bäume wem gehören, wird vertraglich fixiert. Ebenso die Nutzung, die besagt, dass jeder Nachbar genau bis zur Grenzlinie alle Bäume nutzen darf. Zudem ist jeder allein befugt über den Schnitt oder die Entfernung seiner eigenen Bäume zu entscheiden. Ein Aufasten zum SUPERHOCHSTAMM ist hier Gebot der Stunde, denn so werden auch Streitereien bzgl. allenfalls störender Äste von Beginn an ausgeschlossen.
Obstarten & -sorten: Arten und Sorten, die beide Nachbar*innen gerne haben wollen.
42. Markierung Grenzen und Grenzpunkte
In der offenen Kulturlandschaft sind Grenzmarkierungen durch große Maschinen eher bedroht und eine Orientierung für Maschinist*innen nicht immer einfach, v. a. dann, wenn zunehmend externe Lohnunternehmen am Betrieb tätig sind.
Gute Idee: Bei allen wichtigen Eckpunkten und Grenzmarken steht ein SUPERHOCHSTAMM. Nun müssen sich noch die Nachbar*innen über Lage und Nutzung der Bäume einigen.
Sind beide Jäger*innen, und die Bäume sind künftige Ansitzwarten, so gelingt dies überraschend schnell. Da behaupte noch einmal jemand, zwei Bauern könne man nicht unter einen Hut bekommen…
Obstarten & -sorten: Arten und Sorten, die beide Nachbar*innen gerne haben wollen.
Der Planzeichenkatalog
Der Planzeichenkatalog gibt konkrete Empfehlungen zu den planerischen Anwendungsbereichen und zur grafischen Gestaltung der Planzeichen. Der Inhalt dieser Arbeitshilfe und die darin dargestellten Planzeichen sind unverbindlich. Die Planzeichen wurden jedoch von OIKOS in jahrelanger Praxis erprobt, Feedback wurde laufend eingearbeitet und die Planzeichen mit der EIP-AGRI-Arbeitsgruppe ARGE SUPERHOCHSTAMM abgestimmt. Sie können von Planer*innen von HPS (unter Nennung der Quellenangabe) angewendet werden:
OIKOS (2026): Planzeichenkatalog SUPERHOCHSTAMM. Darstellung von planungsrelevanten Objekten und Plänen für Hochstamm-Produktionssysteme. – Projekt SUPERHOCHSTAMM – Klimaresiliente Hochstamm-Produktions-Systeme HPS für Obstbau und Agroforst; verfügbar unter: www.superhochstamm.at.
Der Planzeichenkatalog ist nicht abgeschlossen, sodass bei Bedarf weitere Planzeichen aufgenommen oder bei einer Revision wieder entnommen werden können. Anregungen zur Weiterentwicklung sind jederzeit willkommen.
Maßstab: In der Praxis (Ausdrucke, Lesbarkeit, Handling etc.) sind Pläne im Format A3 bis A4 sinnvoll. Die Hochstamm-Produktions-Systeme sollen dabei in einem zeichnerischen Maßstab 1 : 1.000 bis 1 : 2.000 dargestellt sein.
Anwendung Planzeichen
HPS-Planzeichen dienen der Darstellung von Grundsätzen und Zielen der Planung von HPS in zeichnerischer Form. Die Planzeichen werden im Planzeichenkatalog einzeln beschrieben und deren fachlicher und räumlicher Anwendungsbereich erläutert. Dabei handelt es sich nicht um allgemeingültige Legaldefinitionen, sondern um die Beschreibung der empfohlenen Anwendung des Planzeichens.
Der Planer definiert den Anwendungsbereich des Planzeichens und der Adressat muss den Gegenstand der Festlegung klar erkennen können. Die zeichnerische Festlegung ist die räumliche Konkretisierung der textlichen Festlegung (Bepflanzungsplan, Projektbeschreibung).
Die Anwendung der Planzeichen des vorliegenden Planzeichenkatalogs gewährleistet erstmals einheitliche Standards im Hochstamm-Obstbau & Agroforst und erlaubt eine überbetriebliche bzw. überregionale Darstellung und Auswertung.
Übersicht über die HPS-Planzeichen
Generell soll der HPS-Plan so übersichtlich wie möglich gehalten werden. Daher müssen nicht alle als Planzeichen definierte Objekte zwingend in einen Plan eingetragen werden. Zahlreiche Objekte (z. B. Straßen, Gebäude, Landschaftselemente) sind über das Orthophoto ausreichend ersichtlich. „Unsichtbare“ Objekte, wie (z. B. Grundgrenzen, unterirdische Leitungen, Zufahrtswege etc.) müssen jedenfalls eingezeichnet werden. Dies betrifft auch geplante bzw. (bei Verwendung einer älteren Orthofoto-Grundlage) vor kurzem entstandene Objekte.
Folgende Planzeichen werden aktuell vorgeschlagen:
Planzeichen für Obstarten & -nutzungen
Zentrales Element eines HPS-Planes sind die künftigen SUPERHOCHSTÄMME. Diese werden als Kreise dargestellt. Der Durchmesser wird dabei auf 8–9 m im Maßstab für großkronige und auf 5 m für eher kleinkronige Obstarten festgelegt. Diese entspricht jeweils dem ungefähren Kronendurchmesser nach 15 Jahren.
Sowohl die Darstellung als Kreis, als auch die Festlegung der Größe und Kronenform ist stark vereinfacht. Sie orientiert sich, aus Gründen der Übersichtlichkeit und damit ausreichend Platz zur Darstellung weiterer Details bleibt, nicht an den finalen Kronendurchmessern. Ein SUPERHOCHSTAMM von oben hat eine Kleeblattform (siehe Kapitel Kulturführung). Zu den finalen Kronendurchmessern siehe Infotafel № 0030. Sehr mächtige Altbestandsbäume können auch mit entsprechend größeren Durchmessern dargestellt werden.
Beispiel für heimische Baumarten für Wertholz im Agroforst
Technische Umsetzung
Planungsgrundlage
Als Grundlage der zeichnerischen Darstellung wird ein aktuelles digitales Orthofoto im Maßstab 1 : 1.000 bis 1 : 2.000 oder ein gleichwertiges Landschaftsmodell festgelegt. Zudem sollte die DKM Digitale Katastralmappe (Österreich) bzw. der LiKa Liegenschaftskataster (Deutschland) eingeblendet sein.
Die digitalen Daten sind mittlerweile in allen Bundesländern online verfügbar und mittels einer App für Geografische Informations-Systeme (GIS) zu bearbeiten. Entsprechende korrekte Quellennachweise sind anzuführen. Diese werden in der Regel von den Anbietern (zumeist mit Bezug auf Creative-Commons-Lizenzen) vorgegeben:
z. B. Datenquelle: © Land Steiermark / GIS Steiermark; © Datenquelle: GDI-Th
Online Geoportale & Geodaten für die Planung von Hochstamm-Produktions-Systemen
Orthofotos, Kataster sowie Daten zu den wesentlichen Planungsfaktoren (Grenzen, Geomorphologie, Klima etc.) sind im Regelfall (in unterschiedlicher Verfügbarkeit und Aufbereitung) über das jeweilige Bundesland frei resp. bei schriftlicher Anfrage erhältlich, z. B.
Österreich
Austrian Map des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen: https://maps.bev.gv.at
Orthofoto, Kataster u. a. m. als WMS Layer
https://www.bev.gv.at/Services/Geoinformationsdienste/INSPIRE-Geodatendienste/INSPIRE-Darstellungsdienste.html
Open Data Katalog Österreich: https://www.data.gv.at
Bundesländer-Dienste
- Bundesland Steiermark: https://gis.stmk.gv.at
- Bundesland Oberösterreich: https://www.doris.at/
- Bundesland Salzburg: https://www.salzburg.gv.at/sagismobile/sagisonline
- Bundesland Niederösterreich: https://www.noe.gv.at/noe/Karten-Geoinformationen/Karten-Geoinformationen.html
- u. a. m
Alle Bundesland Geoportale
Themendienste
- eBod – Digitale Bodenkarte: https://bodenkarte.at/#/center/13.3458,47.7132
- eHyd – Elektronische Hydrographische Daten: https://ehyd.gv.at/#/cpegel/bgrau/abl,gew,hwwarn/@47.71554,13.35584,8z
- INSPIRE AGRAR ATLAS: https://ehyd.gv.at/#/cpegel/bgrau/abl,gew,hwwarn/@47.71554,13.35584,8z
Deutschland
Bundesländer-Dienste
- Freistaat Bayern: https://geoportal.bayern.de/geoportalbayern/
- Bundesland Baden-Württemberg: https://www.geoportal-bw.de/
- Bundesland Thüringen: https://geoportal.thueringen.de/
- u. a. m.
Programme und Apps zur Erstellung von HPS-Plänen
Zur Planung von HPS werden GIS-basierte Anwendungen empfohlen (GIS = Geographisches Informationssystem). Diese sollten zumindest folgende Funktionen beinhalten:
- Darstellung von geographischen Daten wie Orthofotos, Grenzkataster etc. in Layern.
- Erfassung von Punkten, Linien und Flächen mit geographischem Bezug.
- Erfassung von Attributinformationen (ID, Obstart, Sorte, Pflanzjahr etc.) in einer Datenbank.
- Darstellung von geographischen Objekten nach dem HPS-Planzeichenkatalog.
- Erstellung und Export von Karten.
Als Open-Source-Anwendung steht Q-GIS kostenlos zur Verfügung: https://qgis.org/download/
Die ergänzende Smartphone-App Q-field erlaubt den Zugriff auf die Daten auch im Gelände.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche kommerzielle Anbieter für GIS-Software.
Technische Hinweise zur Erstellung von HPS-Plänen
Die grafische Gestaltung der Planzeichen, Größenangaben zu Signaturen, Farbe und Strichstärken ist den Erläuterungen im Planzeichenkatalog zu entnehmen.
Die Farbgebung der Planzeichen ist in den Erläuterungen im Planzeichenkatalog definiert. Dort sind die RGB-Werte für webbasierte Darstellungen und CMYK-Werte für Drucke angegeben.
Die Farbwertangabe (CMYK-Wert) stellt einen Richtwert für den Farbdruck dar, der idealerweise für glänzend und matt gestrichene Papiere (Papiertyp 1 und 2, ECI-Profil PSO Coated V3) passt.
Symbole sind stets nach Norden ausgerichtet, mit Ausnahme von linienbegleitenden Symbolen (z.B. Wiesenbach, Stromleitung etc.), die in paralleler Richtung zur Linie zu platzieren sind.
Die Reihenfolge der Nummerierung erfolgt so, dass einzelne Nummern beim Abgleich mit der Sortenliste leicht zu finden sind. Dazu wird stets entlang von Reihen nummeriert. Die Nummerierung beginnt links oben und verläuft, nach Möglichkeit, nach rechts unten (Leserichtung).
In der Legende sollen alle Planzeichen mit Musterbild und Text gemäß Planzeichenkatalog dargestellt sein. Zudem sind die Quelle der Kartengrundlage (s. o.), der Verfasser resp. Herausgeber des Planes, eine Maßstabsleiste samt -text und Nordpfeil sowie das Datum und ein Plantitel angeführt.
Aufgrund des Maßstabes kommt die Lesbarkeit der zeichnerischen Darstellung häufig an ihre Grenzen. Um die Darstellbarkeit von Planzeichen und das Verstehen der Planinhalte zu gewährleisten, muss häufig eine Generalisierung erfolgen. Dazu gehört u. a. die Vereinfachung von Bachläufen (glätten) oder das Vergrößern von Details. Damit wird die geometrische Richtigkeit zugunsten der Lesbarkeit hintangestellt, was zu mehr oder weniger exakten Lagemerkmalen führen kann. Entsprechend den kleinen Maßstäben erfolgt zumeist eine lage- resp. positionstreue Darstellung.
Die Untergrenze hinsichtlich Darstellbarkeit bildet die visuell noch wahrnehmbare graphische Mindestgröße. Die Größen der Planzeichen sind so gewählt, dass sie die Grenzen der visuellen Wahrnehmung deutlich überschreiten.
Objekte haben unterschiedliche Geometrietypen. Diese sind:
- Einzelsymbol: Symbole stellen hochgradig generalisiert einen bestimmten HPS-Planungssachverhalt dar (z. B. SUPERHOCHSTÄMME). Die Symbolgröße ist fix definiert, eine lagetreue Darstellung zumeist möglich.
- Liniendarstellung: Linienförmige Objekte (z. B. Leitungen, Bäche etc.) können generalisiert dargestellt werden. Bei gestrichelten Liniensignaturen sollten mindestens 3 Striche darstellbar sein.
- Flächendarstellung: Flächendarstellungen erfolgen grundrissähnlich (in Projektion). Bei Flächensignaturen mit Schraffuren oder Punktrastern müssen mindestens 2, besser 3 Streifen / Punktreihen sichtbar sein.
Attributtabelle & Sortenliste
Im HPS-Plan werden die künftigen SUPERHOCHSTÄMME sowie der Altbestand verortet. Jedem Baum wird dabei eine eindeutige Identifikationsnummer (ID) zugeordnet. Zudem werden zu jedem Baum Hintergrundinformationen in einer Attributtabelle erfasst.
Diese sind zumindest:
- Obstart
- Sorte
- Status (Neupflanzung bzw. Saat / Altbestand)
- etc.
Weiters können folgende Informationen sinnvoll sein:
- Pflanzjahr
- Unterlage
- Bezugsquelle Pflanz- / Saatmaterial
- etc.
Die so entstandene Sortenliste ist ein integraler Bestandteil jedes Bepflanzungs- & Bewirtschaftungsplanes. Die Kenntnis der Sorte ist verbunden mit dem Wissen um die richtige Pflückreife, erwartbare Erntemenge, Lagerfähigkeit und Verarbeitung. Somit ist die Sortenliste mittelfristig Grundlage für eine fachgerechte Bewirtschaftung des HPS.
Elemente & Layout eines HPS-Planes
Begriffsdefinition
- Bepflanzungsplan: Planmäßige Darstellung der auf einer definierten Fläche gepflanzten Gehölzarten und -sorten samt Pflanzmuster, -abständen und grundlegenden einfachen Bewirtschaftungsdaten.
- Saatplan: wie Bepflanzungsplan, jedoch Begründung des Bestandes durch Direktsaat. Diese kommt v. a. in Regionen mit geringen Niederschlagsmengen zum Einsatz (siehe dazu Factsheet 1).
- Bewirtschaftungsplan: Komplexer Plan, der über die Grundinformation eines Bepflanzungs- bzw. Saatplanes hinaus wichtige Informationen zur Fläche und deren Bewirtschaftung enthält: Raumplanung, Schutzstatus, Geomorphologie, Geologie, Boden, Hangneigung, Exposition, Insolation, Temperatur, Niederschlag & Wasserversorgung, Beschattung durch umliegende Strukturen, Grenzverhältnisse & -abstände, Bewirtschaftungsangaben (Flächennutzung, Kulturen, Maschinenbreiten, Fahrtrichtung etc.), Infrastruktur (Wasser-, Strom, Telefon-, Glasfaserleitungen etc.).
- Sortenliste: Analoge oder digitale nummerierte Liste der Obstarten und -sorten, die gemeinsam mit dem Plan eine eindeutige ID-Zuordnung / Wiedererkennung auf der Fläche ermöglicht.
- Baumbuch: Digital (selten analog) geführtes Register (Tabelle oder App) aller Gehölze im Bestand, das die Inhalte eines Bewirtschaftungsplanes und einer Sortenliste in sich vereint. Für jedes Gehölz ist eine individuelle Dokumentation der Bewirtschaftung (z. B. Schnitt), sowie des erforderlichen Zeitaufwandes und von Einzelereignissen (z. B. Hagel, Schädlingsbefall etc.) möglich.
Die Bepflanzung resp. Saat stellt nur eine Momentaufnahme dar. Jeder Plan muss daher laufend aktualisiert werden. Der Plan ist nur in Kombination mit dem Baumbuch eine sinnvolle Grundlage für jede Bewirtschaftungsmaßnahme.
Die Gestaltung eines HPS-Planes ist abhängig von Größe und Form des HPS. Darüber hinaus entscheidet auch die Anwendung bzw. Zielgruppe des Planes über dessen Aussehen: z. B. Umsetzungsplan fürs Gelände, Schauplan zur Präsentation des HPS oder Plan für die Einreichung einer Förderung.
Der HPS-Plan ist ein kartographischer Plan im Maßstab 1 : 1.000 bis 1 : 2.000. Je nach Größe wird als Seitenformat DIN A4 oder A3 gewählt. Bei sehr großen Planungen wird das Papierformat entsprechend vergrößert oder der Plan auf mehrere Seiten aufgeteilt. Dies empfiehlt sich v. a., wenn sich das HPS in Teilflächen untergliedern lässt.
Jedenfalls sollten folgende Elemente stets vorhanden sein:
Planlayer
Standortfaktoren
- Orthofoto: stellt die Ausgangslage dar.
- DKM Digitale Katastralmappe: stellt den Bezug zu Besitzverhältnissen her. Grenzpunkte können beim Einmessen der Baumstandorte hilfreich sein.
- Wege & Infrastruktur: sofern am Orthofoto nicht ersichtlich und für das HPS relevant; z. B. unter- und oberirdische Leitungen, Zufahrten sowie (geplante) Gebäude, Photovoltaikanlagen etc.
- Nutzungsgrenzen: Abgrenzung von Wiesen, Weiden, Ackerflächen, Beeten etc. Dies kann insbesondere für die Abwicklung von Agrarförderungen bedeutend sein.
- Landschaftselemente: Einzelbäume, Hecken, Gewässer etc.
Hochstamm-Produktions-System
- Obstbäume: jeweils Darstellung mit einer Nummer, die zur Sortenliste vermittelt. Obstarten sind unterschiedlich einzufärben (siehe Planzeichenkatalog).
- Rasterlinien: helfen bei der Konstruktion des HPS und machen den Reihenverlauf und die geplante Richtung der Bewirtschaftung sichtbar.
- Fahrtrichtung & Vorgewende: zeigen die künftige Bewirtschaftung der Unternutzung an.
- Hinweise: machen wichtige Abstände (zwischen Bäumen und Reihen, zu Straßen, Gebäuden oder Grenzen), die v. a. zum erstmaligen Einmessen der Baumstandorte wesentlich sind, sichtbar.
Hier ist das HPS mit allen für die Umsetzung relevanten Faktoren dargestellt. Folgende Ebenen bzw. Elemente sind darin enthalten
Plankopf
Der Plankopf enthält alle Hintergrund-Informationen zum Plan:
- Planbezeichnung
- Betriebsname
- Projekttitel / Untertitel
- Name Betriebsführer*in
- Betriebsadresse
- Erstellungsdatum
- Angaben zur Planer*in (Firma, Name, Adresse, Kontakt)
- allfällige Infos zu Rahmenprojekt (z. B. Förderprojekt)
- allfällige Förder-, Betriebs- oder Projektlogos
- Legende
- Nordpfeil
- Maßstab
- Maßstabsangabe inkl. Seitenformat
- Quellenverweis Kartengrundlage
- Seitenangabe (v. a. wenn es mehrere Planseiten gibt)































































































































































































































